Alltagsbegleiter / Betreuungskraft
Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI begleiten Pflegebedürftige im Alltag: vorlesen, spazieren gehen, Gedächtnistraining, Gespräche, Beschäftigungsangebote in der Gruppe. Pflegerische Tätigkeiten gehören ausdrücklich nicht dazu.
23 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Alltagsbegleiter / Betreuungskraft verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.100 € | 2.350 € | 2.700 € | 28.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 2.300 € | 2.600 € | 3.000 € | 31.200 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 2.450 € | 2.800 € | 3.300 € | 33.600 € |
Angegeben ist das Grundentgelt ohne Zuschläge. Entscheidend ist der Träger: Kommunale und kirchliche Häuser gruppieren Betreuungskräfte meist in den unteren Entgeltgruppen des TVöD-P oder der AVR ein, private Betreiber mit Haustarif zahlen oft deutlich weniger, teils nur knapp über Pflegemindestlohn. Nachtzuschläge fallen kaum an, weil überwiegend im Tagdienst gearbeitet wird; Sonntags- und Feiertagszuschläge erhöhen das Monatsentgelt üblicherweise nur um einige Dutzend bis wenige hundert Euro. Bei tariflicher Vergütung wird nicht der Betrag verhandelt, sondern die Anerkennung von Vorerfahrung für die Stufe.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Träger, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Träger zu Träger unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Betreuungskraft?
Alltagsbegleiter, offiziell zusätzliche Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI (früher § 87b), kümmern sich um das, wofür im Pflegealltag keine Zeit bleibt. Sie sitzen bei Bewohnern, die den ganzen Tag allein im Zimmer wären, gehen mit ihnen in den Garten, lesen die Tageszeitung vor, singen alte Lieder, backen mit einer Kleingruppe, begleiten zum Friseur oder zum Gottesdienst. Bei Menschen mit Demenz geht es um Orientierung und Beruhigung: Biografiearbeit, Erinnerungskisten, Zehn-Minuten-Aktivierung, das Aushalten von Unruhe und Weglauftendenz, ohne zu korrigieren.
Die Abgrenzung zur Pflege ist rechtlich klar und im Alltag ständig Thema. Betreuungskräfte dürfen nicht waschen, nicht lagern, keine Medikamente geben, keine Inkontinenzversorgung übernehmen. Sie unterstützen beim Essen und Trinken, wenn kein Schluckrisiko besteht, und meldeten Beobachtungen an die Pflegefachkraft. Wer sich in den Pflegedienst ziehen lässt, arbeitet außerhalb der eigenen Qualifikation und außerhalb dessen, wofür die Stelle finanziert ist.
Wie wird man Betreuungskraft?
Der Zugang ist der niedrigschwelligste im ganzen Pflegefeld. Vorgeschrieben ist keine Berufsausbildung, sondern eine Qualifizierung nach den Betreuungskräfte-Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes: ein Orientierungspraktikum, ein Basiskurs von 160 Unterrichtsstunden und ein anschließendes Betreuungspraktikum von zwei Wochen in einer Pflegeeinrichtung. Der Kurs dauert je nach Anbieter zwei bis vier Monate in Vollzeit oder länger in Teilzeit und wird häufig über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanziert. Vorausgesetzt werden persönliche Eignung, ein Führungszeugnis und oft ein Mindestalter sowie ausreichende Deutschkenntnisse. Pflegehelfer mit einjähriger Ausbildung und Pflegefachkräfte erfüllen die Anforderungen meist ohne Zusatzkurs. Jährliche Fortbildungstage von mindestens 16 Stunden sind Pflicht. Ein Großteil der Beschäftigten sind Quereinsteiger, oft nach Familienphase oder aus Handel, Gastronomie und Hauswirtschaft.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich leichter als Pflege, aber emotional nicht. Betreuungskräfte begleiten Menschen über Monate und Jahre, erleben deren Abbau und deren Sterben und haben dabei oft die engste Beziehung im Haus. Aggressives Verhalten, Beschimpfungen und stundenlange Wiederholungen bei Demenz gehören zum Alltag. Die Arbeitszeit liegt überwiegend im Tagdienst, häufig zwischen Frühstück und Nachmittag, meist ohne Nachtdienst. Wochenend- und Feiertagsdienste sind in Heimen dennoch üblich, weil an diesen Tagen besonders viel Betreuungsbedarf besteht.
Der größte Reibungspunkt ist die Stellung im Team. Betreuungskräfte werden von der Pflege oft als weniger wichtig behandelt, gleichzeitig von ihr für Handreichungen eingeplant. Wer die eigene Rolle nicht selbst vertritt, wird zur Lückenfüllerin. Auch die Dokumentation ist Pflicht: Betreuungsangebote und Reaktionen müssen nachvollziehbar erfasst werden, weil die Finanzierung daran hängt.
Aussichten
Jede vollstationäre Pflegeeinrichtung hat Anspruch auf zusätzliche Betreuungskräfte, finanziert über die Pflegekassen, und die Stellen sind vielerorts unbesetzt. Die Nachfrage ist hoch und stabil, auch in Tagespflegen, Wohngruppen und ambulanten Betreuungsdiensten. Die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Berufs sind begrenzt: möglich sind Zusatzqualifikationen in gerontopsychiatrischer Fachbetreuung, Demenzbegleitung oder Ergänzungskurse für die Leitung des sozialen Dienstes. Wer mehr verdienen oder pflegerisch arbeiten will, nutzt die Tätigkeit als Einstieg und geht anschließend in die einjährige Pflegehelferausbildung oder in die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann.
Aufgaben
- Einzelbetreuung am Bett und im Zimmer, Gespräche und Vorlesen
- Gruppenangebote wie Singen, Basteln, Backen, Gedächtnistraining
- Spaziergänge und Begleitung zu Terminen und Veranstaltungen
- Biografiearbeit und Aktivierung bei Menschen mit Demenz
- Unterstützung bei Mahlzeiten ohne Schluckrisiko
- Beobachtungen an die Pflegefachkraft weitergeben
- Betreuungsangebote und Reaktionen dokumentieren
- Mitwirkung bei Feiern und jahreszeitlichen Anlässen
Voraussetzungen
- Qualifizierung nach § 43b SGB XI: Orientierungspraktikum, 160-Stunden-Basiskurs, Betreuungspraktikum
- keine vorherige Berufsausbildung erforderlich, persönliche Eignung und Führungszeugnis
- Geduld und Belastbarkeit im Umgang mit Demenz und herausforderndem Verhalten
- Deutschkenntnisse für Gespräche und Dokumentation
- Bereitschaft zu Wochenend- und Feiertagsdiensten
- jährliche Fortbildung von mindestens 16 Stunden
Wo man arbeitet
- vollstationäre Pflegeheime
- Tagespflegeeinrichtungen
- Wohngruppen und betreutes Wohnen
- ambulante Betreuungs- und Pflegedienste
- gerontopsychiatrische Wohnbereiche
Der Weg in den Beruf
Der Weg führt über einen Qualifizierungskurs nach den Betreuungskräfte-Richtlinien: Orientierungspraktikum, 160 Unterrichtsstunden Basiskurs und zwei Wochen Betreuungspraktikum, zusammen je nach Anbieter zwei bis vier Monate in Vollzeit. Abschluss ist ein Zertifikat als Betreuungskraft nach § 43b SGB XI, kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Die Finanzierung läuft häufig über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit.
Offene Stellen als Alltagsbegleiter / Betreuungskraft
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Verwandte Berufe
Pflegehelfer
Pflegehelfer unterstützen Pflegefachkräfte bei der Grundpflege, Betreuung und Versorgung von Menschen, die sich nicht selbst helfen können. Der Zugang ist auch ohne Ausbildung möglich, die Tätigkeit ist auf pflegerische Hilfsaufgaben beschränkt.
- Offene Stellen
- 12
- Monatsbrutto
- 2.100 – 3.300 €
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