Was macht eine Betreuungskraft?
Alltagsbegleitung setzt dort an, wo die Pflege aus Zeitmangel aufhört. Betreuungskräfte spielen Karten, lesen Zeitung vor, backen mit einer Kleingruppe, gehen mit Bewohnern in den Garten, begleiten zum Friseur oder zum Gottesdienst, führen Erinnerungsarbeit mit alten Fotos und Musik, sitzen bei einem Menschen mit fortgeschrittener Demenz, der unruhig ist. Ein Teil der Arbeit ist Einzelbetreuung, ein Teil Gruppenangebot, beides wird geplant und dokumentiert, weil die Leistung nach § 43b SGB XI von der Pflegekasse finanziert wird und nachweispflichtig ist.
Was nicht dazugehört, ist klar geregelt: keine Medikamentengabe, kein Verbandwechsel, keine Grundpflege, kein Transfer ohne Anleitung. Betreuungskräfte sind keine Pflegehilfskräfte und dürfen nicht als solche eingesetzt werden - in der Praxis wird diese Grenze bei Personalausfall trotzdem regelmäßig ausgetestet, und wer sie halten will, muss sie selbst benennen.
Wie wird man Betreuungskraft?
Es gibt keine Ausbildung im Sinne einer schulischen oder betrieblichen Berufsausbildung. Vorgeschrieben ist eine Qualifizierung nach den Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zu § 43b, § 53c SGB XI: ein Orientierungspraktikum, ein Basiskurs von 160 Unterrichtsstunden und ein zweiwöchiges Betreuungspraktikum in einer Pflegeeinrichtung. Dazu kommen jährliche Pflichtfortbildungen von mindestens 16 Stunden. Die Kurse dauern je nach Anbieter zwei bis fünf Monate, oft in Teilzeit, und werden häufig über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanziert.
Der Weg ist damit der niedrigschwelligste im gesamten Pflegebereich und ein klassischer Quereinstieg, auch spät im Berufsleben. Wer eine Ausbildung als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, eine einjährige Pflegehelferausbildung, eine heilerziehungspflegerische oder erzieherische Qualifikation hat, benötigt den Basiskurs in Teilen nicht.
Was der Beruf verlangt
Die körperliche Belastung ist geringer als in der Pflege, die psychische nicht. Betreuungskräfte arbeiten überwiegend mit Menschen mit Demenz, erleben Aggression, Rückzug, Verwirrtheit und Sterben und bauen über Monate Beziehungen auf, die dann enden. Wer schlecht abgrenzt, nimmt das mit nach Hause.
Gearbeitet wird meist im Tagdienst, weil Betreuung dann stattfindet, wenn Bewohner ansprechbar sind. Nachtdienste sind unüblich, Wochenend- und Feiertagsdienste dagegen normal, oft im Rhythmus jedes zweite Wochenende. Teilzeit ist der Regelfall, viele Stellen liegen bei 20 bis 30 Stunden. Schwer fällt vielen die Stellung im Team: Die Anerkennung durch Pflegekräfte ist nicht selbstverständlich, und wenn auf der Station Personal fehlt, gilt Betreuung als das, was zuerst ausfällt.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und hoch. Pflegeheime müssen Betreuungsangebote vorhalten, um sie abrechnen zu können, und der Betreuungsschlüssel wurde über die Jahre verbessert. Offene Stellen finden sich in fast jeder Region, auch für Bewerber ohne einschlägige Vorgeschichte.
Die Entwicklungswege führen aus dem Beruf heraus: Aufbaukurse in gerontopsychiatrischer Betreuung, Alltagsbegleitung nach dem Konzept der Betreuungsassistenz mit Leitungsanteil oder der Wechsel in die einjährige Pflegehelferausbildung. Wer dauerhaft mehr verdienen will, kommt an der dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann nicht vorbei; die Qualifizierung wird dort teilweise angerechnet.