Was macht eine Intensivpflegekraft?
Auf der Intensivstation betreut eine Pflegefachkraft je nach Haus und Schwere der Fälle ein bis drei Patienten. Die Arbeit besteht aus lückenloser Überwachung und hochtechnischer Behandlungspflege: Monitoring von Herzrhythmus, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und invasiven Druckmessungen, Führung und Anpassung der Beatmung nach Arztanordnung, Absaugen und Trachealkanülenpflege, Bedienung von Perfusoren mit Katecholaminen, Analgetika und Sedativa, Versorgung von zentralen Zugängen, Drainagen und Wunden. Dazu kommen Dialyse- und Hämofiltrationsverfahren, bei entsprechender Ausstattung auch die Betreuung von ECMO-Patienten. Grundpflege bleibt Teil des Alltags, unter erschwerten Bedingungen: Waschen, Mundpflege, Lagerung und Mobilisation eines beatmeten, sedierten Menschen sind Arbeit für zwei Personen. Die Kraft assistiert bei Intubation, Bronchoskopie, Anlage von Kathetern und bei Reanimationen, dokumentiert stundengenau, führt Bilanzen und übergibt strukturiert. Angehörigengespräche und die Begleitung Sterbender gehören dazu, ebenso Situationen, in denen eine Therapie beendet wird.
Wie wird man Intensivpflegekraft?
Voraussetzung ist die dreijährige Pflegeausbildung. Seit 2020 gilt das Pflegeberufegesetz mit den Abschlüssen Pflegefachfrau und Pflegefachmann; wer früher als Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Kinderkrankenpflegerin abgeschlossen hat, behält die Berufsbezeichnung und ist gleichgestellt. Ein Einsatz auf der Intensivstation ist direkt nach dem Examen möglich, in der Regel mit strukturierter Einarbeitung über mehrere Monate. Nach etwa zwei Jahren Berufserfahrung folgt üblicherweise die zweijährige Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie mit rund 720 Theoriestunden und Praxiseinsätzen in Anästhesie, Intensiv und Notaufnahme, meist berufsbegleitend. Sie ist keine gesetzliche Pflicht, aber Voraussetzung für die geforderte Fachquote in vielen Häusern und für höhere Eingruppierung. Alternativ oder ergänzend gibt es Zusatzqualifikationen in Beatmung, ECMO, Nierenersatzverfahren oder Praxisanleitung. Ein Quereinstieg ohne Pflegeexamen ist nicht möglich; Pflegehilfskräfte arbeiten auf Intensivstationen nur unterstützend, die Vorbehaltsaufgaben nach § 4 PflBG bleiben bei der Fachkraft.
Was der Beruf verlangt
Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr, Nachtdienste, Wochenend- und Feiertagsarbeit, häufig im Zwölf-Stunden-Modell. Die körperliche Belastung durch Lagern und Mobilisieren ist hoch, die psychische ebenso: Tod, plötzliche Verschlechterungen, Reanimationen und moralisch belastende Entscheidungen über Therapiebegrenzung sind Alltag. Fehler haben unmittelbare Folgen, was dauerhafte Anspannung erzeugt. Personalmangel führt zu höheren Betreuungsschlüsseln, kurzfristigem Einspringen und gesperrten Betten; die Pflegepersonaluntergrenzen setzen Mindestwerte, keine komfortablen. Verlangt wird technisches Verständnis, Belastbarkeit unter Zeitdruck, exakte Dokumentation und die Fähigkeit, im Team klar zu kommunizieren. Wer geregelte Feierabende braucht oder mit Blut, Sekreten und Sterben schlecht umgehen kann, findet hier den falschen Platz.
Aussichten
Die Nachfrage ist bundesweit hoch und übersteigt das Angebot deutlich, besonders bei Kräften mit abgeschlossener Fachweiterbildung. Stellen finden sich in Akutkrankenhäusern jeder Größe, in Universitätskliniken mit spezialisierten Einheiten für Neurochirurgie, Kardiologie oder Neonatologie sowie in der außerklinischen Intensivpflege, die beatmete Menschen zu Hause oder in Wohngruppen versorgt. Entwicklungswege führen über Praxisanleitung, ECMO- oder Beatmungsspezialisierung, Hygienebeauftragung, Schicht- oder Stationsleitung bis zu Pflegestudiengängen und Positionen in Qualitätsmanagement oder Notfallmanagement. Auch ein Wechsel in Anästhesie, Notaufnahme oder Rettungsdienst ist mit dieser Qualifikation üblich.