Was macht eine Kinderkrankenschwester?
Die Arbeit umfasst Grund- und Behandlungspflege bei Patienten von wenigen Hundert Gramm Geburtsgewicht bis zum 18. Lebensjahr. Dazu gehören Vitalzeichenkontrolle und Monitorüberwachung, Sondenernährung und Stillunterstützung, das Legen und Versorgen periphervenöser Zugänge, Medikamentengabe nach kilogrammbezogener Dosierung, Inhalationen, Absaugen, Verbandwechsel, Blutentnahmen sowie Vorbereitung und Assistenz bei Punktionen und Untersuchungen. Die Dosisberechnung nach Körpergewicht ist ein zentraler Teil der Tätigkeit und lässt keine Ungenauigkeit zu. Hinzu kommt die Anleitung der Eltern: Wickeln, Handling eines Frühgeborenen, Umgang mit Sonde, Inhalationsgerät oder Insulinpen. Auf der Neonatologie und der pädiatrischen Intensivstation kommen Beatmung, Katecholaminperfusoren und die Betreuung sterbender Kinder dazu. Die Pflegedokumentation, Übergaben und die Mitarbeit in Visite und Entlassmanagement nehmen einen erheblichen Teil der Schicht ein.
Wie wird man Kinderkrankenschwester?
Seit 2020 gilt das Pflegeberufegesetz. Die Ausbildung dauert drei Jahre und führt zum Abschluss Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Wer in die Pädiatrie will, wählt im dritten Ausbildungsjahr die Vertiefung Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und kann diesen gesonderten Abschluss führen. Voraussetzung ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss. Wer die Ausbildung vor 2020 abgeschlossen hat, behält die Bezeichnung Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Generalistisch ausgebildete Pflegefachkräfte können ebenfalls in der Pädiatrie arbeiten und sich dort einarbeiten. Für Intensiv- und Anästhesiebereiche gibt es die zweijährige Fachweiterbildung Pädiatrische Intensivpflege und Anästhesie. Ein echter Quereinstieg ohne Ausbildung ist nicht möglich, weil die Vorbehaltsaufgaben nach § 4 PflBG an die Fachqualifikation gebunden sind; Helferkräfte arbeiten in der Kinderklinik nur unterstützend.
Was der Beruf verlangt
Gearbeitet wird im Dreischichtsystem mit Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten. Auf Neonatologien und Kinderintensivstationen ist die Nachtdienstbelastung hoch, Einspringen aus dem Frei kommt vor. Körperlich ist die Arbeit weniger schwer als in der Erwachsenenpflege, dafür ist sie feinmotorisch anspruchsvoll und findet oft in gebückter Haltung am Inkubator oder Gitterbett statt. Die eigentliche Belastung ist emotional: schwer kranke Kinder, Fehlbildungen, plötzliche Verschlechterungen, Todesfälle, Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung und Eltern in Ausnahmesituationen, die Angst in Vorwürfe übersetzen. Kinder kooperieren nicht auf Zuruf, jede Maßnahme braucht Zeit, Erklärung und Ablenkung. Der Personalmangel trifft die Pädiatrie in Nachtschichten besonders, weil die Personaluntergrenzen bei Belegungsspitzen kaum einzuhalten sind. Wer Unruhe, Lärm und ständige Unterbrechungen schlecht erträgt, kommt hier schwer zurecht.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und übersteigt das Angebot deutlich, vor allem in der Neonatologie und der pädiatrischen Intensivpflege. Kliniken stellen häufig unbefristet ein und finanzieren Fachweiterbildungen. Entwicklungswege führen in die Intensiv- oder Anästhesiepflege, in die Kinderonkologie, in die spezialisierte ambulante Palliativversorgung für Kinder, in die außerklinische Intensivpflege bei beatmeten Kindern, in Praxisanleitung, Hygiene, Case Management oder in die Stationsleitung. Ein pflegewissenschaftliches oder pädagogisches Studium öffnet Lehre und Advanced-Practice-Rollen. Wechsel in Kinderarztpraxen, Kinder-Reha-Kliniken oder Kinderhospize sind möglich und bringen geregeltere Arbeitszeiten bei meist niedrigerem Verdienst.