Was macht eine Krankenschwester mit Dienstwagen?
Der Zusatz "Dienstwagen" steht in Stellenanzeigen fast immer für den ambulanten Pflegedienst. Gearbeitet wird nicht auf einer Station, sondern auf einer Tour: acht bis achtzehn Hausbesuche pro Dienst, dazwischen Fahrzeit. Der Wagen gehört zum Arbeitsmittel, nicht zum Gehalt - meist ein Kleinwagen aus dem Fuhrpark, der zwischen den Schichten weitergegeben wird. Bei einem Teil der Anbieter darf er auch für den Weg von und zur Wohnung genutzt werden, seltener privat; das ist die entscheidende Frage im Bewerbungsgespräch.
Inhaltlich reicht die Arbeit von der Behandlungspflege nach SGB V - Insulin, Injektionen, Verbandwechsel, Wundversorgung, Kompressionsverbände, Katheter- und Stomaversorgung, Portspülung - bis zur Grundpflege nach SGB XI mit Waschen, Transfer und Lagerung. Dazu kommt Medikamentenmanagement, die Dokumentation in der Tourenapp und der laufende Kontakt zu Hausärzten, Apotheken und Angehörigen. Wer in der Wohnung eines Patienten steht, entscheidet allein: keine Kollegin im Nebenzimmer, keine Ärztin auf dem Flur.
Wie wird man Krankenschwester mit Dienstwagen?
Grundlage ist die dreijährige Pflegeausbildung. Seit 2020 gilt das Pflegeberufegesetz, der Abschluss heißt Pflegefachfrau oder Pflegefachmann und ersetzt die früheren Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege. Wer als Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Krankenschwester abgeschlossen hat, behält die Bezeichnung und ist voll einsetzbar. Voraussetzung ist ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit vorheriger Helferausbildung.
Für den Dienst unterwegs kommt der Führerschein Klasse B dazu, häufig ohne feste Mindestfahrpraxis, aber mit Sicherheit im Stadtverkehr und im Winter. Quereinstieg in die Behandlungspflege ist nicht möglich: Die Vorbehaltsaufgaben nach § 4 PflBG - Pflegeprozess, Steuerung, Evaluation - dürfen nur Fachkräfte erledigen. Helferinnen mit einjähriger Ausbildung fahren eigene Touren, aber ohne diese Leistungen. Nützliche Weiterbildungen sind Wundexpertin ICW, Palliative Care, außerklinische Intensivpflege und die Qualifikation zur verantwortlichen Pflegefachkraft nach § 71 SGB XI.
Was der Beruf verlangt
Die Touren liegen früh und abends: Frühdienst ab etwa sechs Uhr, Spätdienst bis zweiundzwanzig Uhr, Wochenend- und Feiertagsdienste im Wechsel, oft im Zwei-Wochen-Rhythmus geteilte Dienste. Nachtdienste gibt es nur bei Intensiv- oder Palliativdiensten, Rufbereitschaft in kleineren Teams. Der Zeitdruck ist anders als in der Klinik, aber nicht geringer: Die Tour ist minutengenau kalkuliert, Stau, Parkplatzsuche und ein akut verschlechterter Patient bringen den ganzen Plan durcheinander. Körperlich belasten Transfers in Wohnungen ohne Pflegebett, Treppenhäuser ohne Aufzug und das ständige Ein- und Aussteigen.
Dazu gehört die soziale Nähe: Man kommt jahrelang in dieselben Haushalte, erlebt Verwahrlosung, Demenz, Konflikte in Familien und Sterbeprozesse zu Hause. Personalmangel und Fluktuation sind hoch, Einsprünge in freie Tage üblich.
Aussichten
Die Nachfrage ist unverändert groß, ambulante Dienste suchen dauerhaft Fachkräfte und stellen kurzfristig ein. Entwicklungswege führen zur Tourenplanung, zur Pflegedienstleitung, in die Beratung nach § 37 Abs. 3 SGB XI, in spezialisierte Bereiche wie außerklinische Intensivpflege, SAPV oder Wundmanagement oder in ein Studium der Pflegewissenschaft. Wer ein Fahrzeug gestellt bekommt und im Wohnortnahbereich fährt, hat einen realen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber Kolleginnen, die mit dem Privatwagen unterwegs sind.