Was macht ein Masseur oder Physiotherapeut?
Der Arbeitstag besteht aus einer Folge von Behandlungsterminen, meist zwischen zwanzig und dreißig Minuten je Patient, in Praxen häufig eng getaktet. Masseure und medizinische Bademeister führen klassische Massagen, Bindegewebs- und Reflexzonentherapie, Lymphdrainage, Fango, Elektrotherapie und Hydrotherapie durch. Physiotherapeuten arbeiten zusätzlich mit aktiver Bewegungstherapie: Befund erheben, Beweglichkeit und Kraft testen, Übungsprogramme aufbauen, Gangschulung nach Hüft- oder Knieendoprothese, Atemtherapie auf der Intensivstation, Mobilisation nach Schlaganfall, Anleitung von Angehörigen. Dazu kommt Dokumentation für Krankenkassen und Ärzte, Terminplanung, Abrechnung der Heilmittelverordnung und die Absprache mit Ärzten, Pflege und Ergotherapie. Im Krankenhaus verlaufen die Wege über Stationen und Betten, in der Reha über Gruppen- und Einzeltherapien, in der Praxis am Behandlungstisch, im Hausbesuch in der Wohnung des Patienten.
Wie wird man Masseur oder Physiotherapeut?
Es sind zwei verschiedene Berufe mit unterschiedlicher Ausbildungslänge. Die Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister dauert zwei Jahre schulisch und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, danach folgt eine sechsmonatige praktische Tätigkeit in einer Klinik, bevor die Berufserlaubnis erteilt wird. Zugang ist in der Regel der Hauptschulabschluss. Die Physiotherapieausbildung dauert drei Jahre an einer Berufsfachschule mit staatlicher Prüfung und setzt mittleren Schulabschluss voraus; zunehmend gibt es primärqualifizierende Bachelorstudiengänge. Masseure können über eine verkürzte Ausbildung zum Physiotherapeuten aufsatteln, das ist der übliche Aufstiegsweg. Beide Berufsbezeichnungen sind gesetzlich geschützt. Nach dem Abschluss folgen Zertifikatsfortbildungen, die für die Abrechnung nötig sind: Manuelle Lymphdrainage, Manuelle Therapie, Krankengymnastik am Gerät, Bobath, Vojta, PNF. Ohne diese Zertifikate bleibt das Behandlungsspektrum und damit auch die Bezahlung begrenzt.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich anstrengend. Massieren über acht Stunden belastet Hände, Handgelenke und Schultern, Mobilisation schwerer Patienten den Rücken. Berufsbedingter Verschleiß ist verbreitet, viele reduzieren nach einigen Jahren die Stundenzahl oder wechseln in Bereiche mit mehr aktiver Therapie. Der Takt in Praxen ist hoch, Pausen fallen häufig aus, Dokumentation bleibt am Ende des Tages liegen. Schichtdienst gibt es kaum, Nachtdienste praktisch nie; in Kliniken und Rehaeinrichtungen sind jedoch Wochenend- und Feiertagsdienste im Rotationsprinzip üblich, teils auch Rufbereitschaft für die Intensivstation. Hinzu kommt die Nähe zu Menschen mit chronischen Schmerzen, geringen Fortschritten oder schweren Diagnosen. Wer Bestätigung durch schnelle Erfolge sucht, findet sie hier nicht immer.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und steigt mit der Alterung der Bevölkerung, offene Stellen bleiben in Praxen, Kliniken und Rehaeinrichtungen oft monatelang unbesetzt. Das verschafft eine gute Verhandlungsposition beim Wechsel, ändert aber wenig am strukturellen Problem der Vergütung ambulanter Heilmittel. Entwicklungswege führen über Zertifikatsfortbildungen in Spezialgebiete wie Neurologie, Sportphysiotherapie, Pädiatrie oder Osteopathie, über die fachliche Leitung einer Therapieabteilung, in die Selbstständigkeit mit eigener Praxis oder über ein Studium in Lehre und Wissenschaft. Der sektorale Heilpraktiker für Physiotherapie erlaubt die Behandlung ohne ärztliche Verordnung.