Was macht eine Fachkraft in der Anästhesiepflege?
Der Arbeitstag beginnt vor dem ersten Schnitt. Narkosegerät prüfen, Absaugung testen, Medikamente aufziehen und beschriften, Zugänge, Tuben, Larynxmasken und Videolaryngoskop bereitlegen, Notfallmedikamente kontrollieren. Kommt der Patient in die Einleitung, übernimmt die Anästhesiefachkraft Identitätskontrolle und Team-Time-Out, legt periphere Zugänge, klebt EKG-Elektroden, schließt Blutdruckmessung und Pulsoxymetrie an und assistiert dem Anästhesisten bei der Intubation: Präoxygenieren, Medikamente auf Ansage geben, Krikoiddruck bei der Ileuseinleitung, Tubus anreichen, Lage kontrollieren, fixieren.
Während der Operation läuft die Überwachung: Beatmungsparameter, Kreislauf, Relaxometrie, Temperatur, Bilanz. Arterielle Zugänge und zentrale Venenkatheter werden assistiert, Blutprodukte angefordert und kontrolliert, Perfusoren gewechselt, Lagerungsschäden verhindert. Bei Zwischenfällen - Blutdruckabfall, Bronchospasmus, schwieriger Atemweg, maligne Hyperthermie - muss jeder Handgriff sitzen, ohne dass jemand ihn ansagt. Nach der Ausleitung folgt die Übergabe in den Aufwachraum oder auf die Intensivstation, dazu die Dokumentation des Narkoseprotokolls und die Aufbereitung des Arbeitsplatzes. Viele Häuser setzen dieselben Kräfte auch im Aufwachraum, in der Notaufnahme bei Schockraumversorgung, bei Bereitschaftsdiensten in Endoskopie, Herzkatheterlabor oder auf dem Weg zum CT ein.
Wie wird man Anästhesiefachkraft?
Es gibt zwei Wege. Der erste ist die dreijährige Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin oder zum Anästhesietechnischen Assistenten, bundeseinheitlich geregelt seit dem ATA-OTA-Gesetz von 2022. Voraussetzung ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss, die Ausbildung findet an einer Schule in Trägerschaft einer Klinik statt und schließt mit staatlicher Prüfung ab. ATA sind keine Pflegefachkräfte und dürfen außerhalb des Anästhesiebereichs nicht ohne Weiteres eingesetzt werden.
Der zweite Weg führt über die dreijährige generalistische Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, danach mindestens sechs Monate Berufserfahrung und die zweijährige berufsbegleitende Fachweiterbildung Anästhesie- und Intensivpflege nach DKG-Empfehlung. Diese Kombination ist breiter einsetzbar und eröffnet den Wechsel zwischen Intensivstation und Anästhesie. Quereinstieg ohne eine dieser Qualifikationen gibt es faktisch nicht; Einarbeitung in die Anästhesie ohne Fachweiterbildung ist möglich, aber tariflich und fachlich die schwächere Position.
Was der Beruf verlangt
Schichtdienst, Rufbereitschaft und Nachtdienste gehören dazu, in Häusern mit Notfallversorgung auch an Wochenenden und Feiertagen. Die Rufbereitschaft ist ein prägender Faktor: Wer nachts zur Sectio oder zum Polytrauma gerufen wird, arbeitet unausgeschlafen an einem Arbeitsplatz, an dem Fehler unmittelbar wirken. Körperlich fordern Umlagerungen, Stehen ohne Pause und das Arbeiten in Bleischürze bei Durchleuchtung. Psychisch belasten die Fälle, die schieflaufen, und der Zeitdruck aus einem eng getakteten OP-Programm.
Der Arbeitsplatz ist fensterlos, klimatisiert und geräuschintensiv. Die Zusammenarbeit mit Anästhesisten, Chirurgen und OP-Pflege verlangt Konfliktfähigkeit. Personalmangel führt vielerorts dazu, dass Dienstpläne kurzfristig geändert werden und Frei aus der Rufbereitschaft heraus verfällt.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und steigt weiter, weil Operationszahlen zunehmen und viele Häuser Säle mangels Personal nicht besetzen können. Wer die Fachweiterbildung hat, findet praktisch überall eine Stelle und kann Bedingungen aushandeln. Entwicklungswege führen in die Leitung des Anästhesiefunktionsdienstes, in die Praxisanleitung, in die Schmerztherapie, in den Bereich der Notfallmedizin oder in ein Studium in Pflege- oder Medizinpädagogik.