Was macht ein Pflegepädagoge?
Pflegepädagogen unterrichten die theoretischen und praktischen Anteile der Pflegeausbildung. Der Kern der Arbeit ist Unterricht in Lernfeldern wie Pflegeprozess, Anatomie und Krankheitslehre, Kommunikation, Recht und Pflegewissenschaft, dazu Übungen im Skills-Lab: Lagerung, Injektionstechnik, Verbandwechsel, Reanimationstraining. Hinzu kommt die Kursleitung, also die Betreuung eines Ausbildungsjahrgangs über drei Jahre hinweg mit allem, was dazugehört - Gespräche bei Leistungsabfall, Konflikte in Praxiseinsätzen, Fehlzeiten, Abbruchgedanken.
Ein zweiter Teil der Arbeit findet außerhalb des Klassenraums statt: Praxisbegleitung in Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten, Abstimmung mit Praxisanleitern, Abnahme der praktischen Prüfungen, Korrektur von Klausuren und Facharbeiten. Wer an einer Bildungsakademie arbeitet, gestaltet außerdem Fachweiterbildungen und Fortbildungen für examinierte Kräfte. Curriculumarbeit, Stundenplanung und die Dokumentation für die zuständige Behörde nehmen mehr Zeit ein, als die meisten erwarten.
Wie wird man Pflegepädagoge?
Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene dreijährige Pflegeausbildung - heute Pflegefachfrau oder Pflegefachmann nach dem Pflegeberufegesetz, früher Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder Altenpflege - plus mehrjährige Berufserfahrung am Bett. Darauf folgt ein Studium: Pflegepädagogik, Berufspädagogik im Gesundheitswesen oder Medizinpädagogik, meist als Bachelor mit anschließendem Master. Das Pflegeberufegesetz verlangt für hauptberufliche Lehrkräfte an Pflegeschulen einen Hochschulabschluss auf Masterniveau in einer pflegepädagogischen oder vergleichbaren Fachrichtung; für die Schulleitung gilt das ebenso. Viele studieren berufsbegleitend in Teilzeit, oft über vier bis fünf Jahre neben der Schichtarbeit.
Ein Quereinstieg ohne Pflegeexamen ist die Ausnahme und meist auf Fachunterricht in Randbereichen beschränkt. Wer aus der Praxisanleitung kommt, hat einen realistischen Ausgangspunkt, braucht aber das Studium.
Was der Beruf verlangt
Der offensichtliche Vorteil: kein Schichtdienst, keine Nachtdienste, in den meisten Schulen keine Wochenendarbeit. Dafür verschiebt sich die Belastung. Unterricht muss vorbereitet werden, und die Vor- und Nachbereitung passt selten in die Deputatsstunden. Prüfungsphasen und Kurswechsel erzeugen Spitzen, in denen Abende und Wochenenden draufgehen. Praxisbegleitung bedeutet Fahrtzeiten zu Einsatzorten im ganzen Umland.
Schwer fällt vielen der Rollenwechsel. Vor einer Klasse mit dreißig Menschen zwischen 17 und 50 zu stehen, von denen einige kaum Deutsch sprechen und andere die Ausbildung als Notlösung begonnen haben, ist eine andere Arbeit als Pflege. Konflikte werden ausgehalten, nicht gelöst. Dazu kommt die Spannung zwischen dem, was im Curriculum steht, und dem, was Auszubildende in unterbesetzten Einsätzen tatsächlich erleben - Pflegepädagogen sind die Ersten, die davon hören.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird es bleiben. Pflegeschulen suchen seit Jahren Lehrkräfte, viele Stellen bleiben monatelang offen, gleichzeitig geht eine große Zahl von Lehrenden in den nächsten Jahren in Rente. Entwicklungswege führen zur stellvertretenden Schulleitung und Schulleitung, in die Leitung von Bildungsakademien, in Curriculumentwicklung, Prüfungswesen oder an Hochschulen in Lehre und Forschung. Auch Fortbildungsanbieter, Verbände und Träger mit eigenen Akademien stellen ein.