Was macht ein Praxisanleiter in der Pflege?
Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter verantworten die praktische Ausbildung von Pflegeauszubildenden im Betrieb. Sie führen geplante Anleitungen durch, etwa zur Mobilisation, zum Verbandwechsel, zur subkutanen Injektion, zum Umgang mit Portsystemen oder zur Kommunikation mit verwirrten Menschen. Dazu kommen Erstgespräche zu Einsatzbeginn, Zwischen- und Abschlussgespräche, das Führen des Ausbildungsnachweises, das Abzeichnen der Kompetenzen und die Rückmeldung an die Pflegeschule. Sie nehmen praktische Prüfungen ab oder wirken daran mit und schreiben die praktischen Beurteilungen, die in die Abschlussnote eingehen.
Seit dem Pflegeberufegesetz sind mindestens zehn Prozent der praktischen Einsatzzeit als geplante und strukturierte Anleitung nachzuweisen. Diese Quote zu erfüllen und zu dokumentieren, ist ein wesentlicher Teil der Aufgabe. Viele Häuser stellen dafür Stunden frei, in anderen läuft die Anleitung neben der vollen Schichtbesetzung mit. Hinzu kommen die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen, oft auch die Begleitung von Pflegefachkräften aus dem Ausland während der Anerkennungsphase, die Abstimmung mit der Pflegedienstleitung über Einsatzpläne und die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften der Schule.
Wie wird man Praxisanleiter?
Voraussetzung ist eine abgeschlossene dreijährige Pflegeausbildung, in der Regel als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, oder ein früherer Abschluss in der Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder Altenpflege. Dazu kommt Berufserfahrung, üblich ist mindestens ein Jahr, viele Träger verlangen zwei. Die Weiterbildung zur Praxisanleitung umfasst bundesweit mindestens 300 Stunden und wird berufsbegleitend über etwa sechs bis zwölf Monate absolviert. Sie schließt mit einer Prüfung und einem staatlich anerkannten Zertifikat ab. Verpflichtend ist danach eine jährliche berufspädagogische Fortbildung von mindestens 24 Stunden; wer sie versäumt, verliert faktisch die Anleitungsberechtigung. Ein Quereinstieg ohne Pflegeexamen ist nicht möglich. Wer ein Studium der Pflegepädagogik anschließt, kann in die Schule oder in die Ausbildungsleitung wechseln.
Was der Beruf verlangt
Die Doppelrolle ist die eigentliche Belastung. Wer zur Hälfte in der Schichtbesetzung steht und zur Hälfte anleiten soll, erlebt regelmäßig, dass die Anleitung ausfällt, weil die Station unterbesetzt ist. Anleitungen werden dann nachdokumentiert statt durchgeführt, was fachlich und rechtlich heikel ist. Wer nicht freigestellt ist, arbeitet weiter im Drei-Schicht-System mit Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten; freigestellte Stellen liegen häufiger im Tagdienst mit gelegentlichen Spät- und Wochenenddiensten, um Auszubildende auch dort zu erreichen.
Dazu kommt die Beurteilungsrolle. Einer Auszubildenden zu sagen, dass ihre Leistung nicht ausreicht, und diese Einschätzung schriftlich zu vertreten, fällt vielen schwerer als jede pflegerische Tätigkeit. Konflikte mit dem Team, das den Auszubildenden lieber als volle Arbeitskraft einplanen würde, gehören zum Alltag. Geduld mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Sprachniveaus ist notwendig.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird es bleiben. Jeder Träger, der ausbildet, braucht Praxisanleitung in nachweisbarem Umfang, und die Ausbildungszahlen sollen steigen. Viele Häuser suchen dauerhaft und bieten die Weiterbildung finanziert an. Der Weg führt weiter zur Pflegedienst- oder Stationsleitung, in die Ausbildungskoordination eines Trägers, in die zentrale Praxisanleitung mit voller Freistellung oder über ein Studium in die Pflegepädagogik an einer Pflegeschule.