Was macht ein Gesundheits- und Krankenpfleger in einer modernen Pflegeeinrichtung?
Der Arbeitstag beginnt meist mit der Übergabe aus dem Nachtdienst: Wer hat schlecht geschlafen, wer hat gestürzt, welche Bedarfsmedikation wurde gegeben. Danach folgt die Versorgung der zugeteilten Bewohner, in vielen Häusern zwischen acht und fünfzehn Personen im Frühdienst. Dazu gehören Grundpflege, Mobilisation und Lagerung, Unterstützung beim Essen sowie die Behandlungspflege, die der Pflegefachkraft vorbehalten ist: Insulingabe und Blutzuckerkontrolle, Wundversorgung und Verbandwechsel, Katheter- und Stomapflege, Sondenernährung über PEG, Absaugen, Portversorgung, Injektionen. Medikamente werden gestellt und kontrolliert, Betäubungsmittel dokumentiert.
Dazu kommt der Teil, der die Fachkraft von der Hilfskraft unterscheidet und der oft unterschätzt wird: Pflegeprozessplanung, Risikoeinschätzungen zu Sturz, Dekubitus und Mangelernährung, Evaluation der Maßnahmen, Vorbereitung der Begutachtung durch den MD, Kommunikation mit Haus- und Facharztpraxen, Apotheke, Angehörigen und gesetzlichen Betreuern. In modern organisierten Einrichtungen läuft die Dokumentation digital über Tablet oder Smartphone am Bewohnerzimmer, Arztkontakte teils per Videokonsil, Wunden werden fotografisch verlaufsdokumentiert. Die Fachkraft übernimmt außerdem regelmäßig die Schichtleitung und steuert den Einsatz von Pflegehelfern und Assistenzkräften.
Wie wird man Gesundheits- und Krankenpfleger?
Der Weg führt über die dreijährige Pflegeausbildung. Seit 2020 gilt das Pflegeberufegesetz: Die Ausbildung ist generalistisch, der Abschluss heißt Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, im dritten Jahr ist eine Vertiefung in der Langzeitpflege möglich. Die früheren Bezeichnungen Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger gelten für alle, die vor der Umstellung abgeschlossen haben, unbefristet weiter. Voraussetzung ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss; mit Hauptschulabschluss ist der Einstieg über die einjährige Pflegehelferausbildung und anschließende Verkürzung möglich. Quereinsteiger aus anderen Feldern absolvieren die dreijährige Ausbildung regulär, oft in Teilzeit oder als Umschulung mit Förderung durch die Arbeitsagentur. Ausländische Abschlüsse müssen anerkannt werden, dazu gehört meist Deutsch auf B2-Niveau und eine Kenntnisprüfung.
Was der Beruf verlangt
Gearbeitet wird im Schichtdienst, mit Früh-, Spät- und in vielen Häusern auch Nachtdiensten, an Wochenenden und Feiertagen. Der Nachtdienst in der Langzeitpflege bedeutet häufig, allein oder mit einer Hilfskraft für einen ganzen Wohnbereich zuständig zu sein. Körperlich belastend sind Transfers, Lagerungen und langes Stehen; Rückenprobleme sind verbreitet, auch wo Lifter und Hilfsmittel vorhanden sind. Belastend ist außerdem die Verantwortungsdichte: eine Fachkraft für viele Bewohner, häufige Ausfälle im Team, Einsprünge aus dem Frei. Wer Menschen über Jahre begleitet, begleitet sie auch beim Sterben - Palliativsituationen gehören zum Alltag. Die Fluktuation ist in vielen Häusern hoch, die Dokumentationslast wird oft als unverhältnismäßig empfunden.
Aussichten
Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich und wird das absehbar weiter tun; examinierte Fachkräfte können in nahezu jeder Region unter mehreren Arbeitgebern wählen. Entwicklungswege führen über Weiterbildungen in Wundmanagement, Palliative Care, Gerontopsychiatrie, Praxisanleitung oder Hygiene bis zur Wohnbereichs- und Pflegedienstleitung, für die eine Leitungsweiterbildung oder ein Pflegemanagementstudium vorausgesetzt wird. Auch der Wechsel in Beratung, Qualitätsmanagement oder zum MD ist mit Erfahrung möglich.