Für eine Pflegestelle hat das Anschreiben eine andere Aufgabe als in fast jedem anderen Feld. Es muss nicht belegen, dass Sie den Beruf beherrschen – dafür gibt es eine staatliche Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung, und die liegt der Bewerbung ohnehin bei. Der Arbeitsmarkt in der Pflege ist außerdem einer, auf dem Häuser suchen und nicht nur auswählen.
Genau deshalb ist das Anschreiben nützlich, und zwar für beide Seiten: Es klärt vorab, ob Bereich, Schichtmodell und Erwartungen zusammenpassen. Eine Bewerbung, nach der die Pflegedienstleitung weiß, dass Sie Intensivpflege suchen und keine Somatik, spart ein Gespräch, das keinem von beiden nützt.
Die drei Fragen
Ein Anschreiben für eine Pflegestelle muss drei Fragen beantworten, und zwar auf der oberen Hälfte der Seite:
- Passt der Bereich? Also: Entspricht das, was Sie können und suchen, dem, was auf dieser Station, in diesem Wohnbereich, auf dieser Tour tatsächlich gebraucht wird?
- Passt das Arbeitszeitmodell? Umfang, Schichten, Wochenenden, Nachtdienste, Rufbereitschaft. Der häufigste Grund, aus dem eine Besetzung nach drei Monaten scheitert, steht nicht im Fachlichen.
- Warum dieses Haus? Der Absatz, den die meisten weglassen, und der einzige, der eine gezielte Bewerbung von einer verschickten unterscheidet.
Alles andere ist Ergänzung.
Der Aufbau
Vier Absätze, eine Seite.
Der Einstieg nennt die Stelle, die Quelle und einen inhaltlichen Bezug. Der Bezug ist der einzige Teil, der Arbeit macht: ein Fachbereich, in dem Sie zu Hause sind, ein Versorgungsschwerpunkt, den Sie kennen, ein Pflegekonzept, mit dem Sie gearbeitet haben. „Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle" ist kein Einstieg, sondern eine Wiederholung des Betreffs.
Die Passung nennt zwei, höchstens drei Punkte aus der Ausschreibung mit einem Beleg dazu. Nicht alle. Wer alle abarbeitet, schreibt eine Liste.
Der Bezug zum Haus ist in der Pflege leichter als in anderen Feldern, weil sich Träger, Versorgungsauftrag und Konzept nachlesen lassen. Brauchbare Anknüpfungspunkte: die Fachabteilungen und die Versorgungsstufe, ein Zertifikat oder ein Schwerpunkt (Palliativstation, Demenzkonzept, Wundzentrum), ein benanntes Einarbeitungsprogramm, ein Ausbildungsverbund, ein neu eröffneter Wohnbereich.
Der Schluss nennt Ihre Verfügbarkeit unter Berücksichtigung der Kündigungsfrist, den gewünschten Beschäftigungsumfang, gegebenenfalls die Gehaltsvorstellung und einen Satz zum Gespräch. Sachlich, ohne Konjunktiv.
Belege statt Adjektive
Der häufigste Fehler im Mittelteil sind Eigenschaftswörter ohne Beleg: belastbar, empathisch, teamfähig, engagiert. Sie kosten Platz und sagen nichts, weil niemand das Gegenteil über sich schreibt.
Ersetzen Sie jedes durch das, woraus Sie es ableiten:
- Statt „belastbar" das Schichtmodell, die übliche Besetzung und die Zahl der versorgten Patienten oder Bewohner je Dienst.
- Statt „fachlich versiert" die Verfahren: Beatmung, Portversorgung, Wundmanagement nach Expertenstandard, Zytostatikagabe, Dialyse, enterale Ernährung.
- Statt „teamfähig" die Rolle: Schichtleitung, Einarbeitung neuer Kolleginnen, Praxisanleitung, Mitarbeit an einer Arbeitsgruppe zur Dokumentation.
- Statt „empathisch" die Situation: Angehörigengespräche, Sterbebegleitung, Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Demenz.
Halten Sie sich dabei an eine Regel, die in der Pflege wichtiger ist als anderswo: keine Angaben, aus denen sich einzelne Patienten oder Bewohner erkennen lassen. Die Schweigepflicht nach § 203 StGB gilt auch in einer Bewerbung. Wie sich Größenordnungen nennen lassen, ohne das zu verletzen, steht in Der Lebenslauf in der Pflege.
Die Probe: Streichen Sie einen Satz. Wenn die Bewerbung dadurch nicht schwächer wird, war er überflüssig.
Für einen Wechsel innerhalb der Pflege
Hier ist der entscheidende Punkt die Übertragbarkeit, und die ist nicht selbstverständlich. Wer zehn Jahre in der stationären Altenpflege gearbeitet hat, kennt Demenzbegleitung, Sturzprophylaxe und die Systematik der Pflegegrade – aber keine Beatmung. Wer aus der Intensivpflege kommt, beherrscht Überwachung und Notfallmanagement, hat aber selten allein einen ganzen Wohnbereich geführt. Wer in die ambulante Pflege wechselt, arbeitet zum ersten Mal ohne Kollegin im Nebenzimmer.
Benennen Sie deshalb ausdrücklich, was übertragbar ist und was nicht. Ein Satz wie „Beatmungspflege habe ich bisher nicht verantwortet; an Ihrer Weaning-Station interessiert mich gerade dieser Teil, und ich bringe die Fachweiterbildung Intensivpflege mit" ist stärker als jede Behauptung von Vielseitigkeit. Er zeigt, dass Sie den Unterschied kennen.
Für einen Quereinstieg oder Wiedereinstieg
Beim Quereinstieg trägt das Anschreiben mehr Gewicht als sonst, weil der Lebenslauf die Frage nach dem Warum offenlässt. Drei Punkte gehören hinein:
- Der Grund für den Wechsel, in einem Satz, in Richtung Zukunft formuliert.
- Die Brücke – welche Ihrer bisherigen Aufgaben in der neuen Rolle vorkommen: Verantwortung für Menschen, Arbeit im Schichtbetrieb, Dokumentationspflichten, Gespräche unter Druck.
- Der Plan – ob Sie einen Pflegebasiskurs begonnen haben, die Ausbildung nach dem Pflegeberufegesetz anstreben, eine Qualifizierung zur Betreuungskraft absolvieren oder eine Nachqualifizierung planen.
Welche Wege überhaupt offenstehen, steht in Der Quereinstieg in die Pflege.
Beim Wiedereinstieg nach einer Berufspause – Elternzeit, Pflege eigener Angehöriger, Krankheit, Tätigkeit außerhalb des Berufs – gilt dasselbe in kürzerer Form: Nennen Sie die Pause in einem Halbsatz und schreiben Sie dazu, was Sie zur Auffrischung tun oder erwarten. Häuser haben dafür Programme; sie setzen aber voraus, dass jemand danach fragt.
Bewerben Sie sich mit einem im Ausland erworbenen Abschluss, gehört der Stand der Anerkennung in das Anschreiben: ob die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung bereits vorliegt, ob ein Bescheid über eine Anpassungsmaßnahme oder eine Kenntnisprüfung ergangen ist und welches Sprachniveau nachgewiesen ist. Die Anerkennung liegt bei den Ländern und die Anforderungen unterscheiden sich; in aller Regel wird Deutsch auf dem Niveau B2 verlangt, teilweise zusätzlich eine Fachsprachprüfung. Eine Bewerbung, die den Stand offen benennt, wird deutlich schneller bearbeitet als eine, bei der das Haus erst nachfragen muss.
Die Gehaltsvorstellung
Wenn die Ausschreibung danach fragt, gehört sie hinein – eine Bewerbung, die eine ausdrücklich gestellte Frage übergeht, fällt auf.
In der Pflege hat diese Frage eine Besonderheit: Wo ein Tarifvertrag oder eine Arbeitsvertragsrichtlinie gilt, ist das Entgelt nicht frei verhandelbar. Dann nennen Sie keine Zahl, sondern die Entgeltgruppe und die Stufe, die Sie für angemessen halten – und begründen Sie die Stufe mit Ihrer einschlägigen Berufserfahrung. Das ist die Verhandlung, die dort tatsächlich stattfindet.
Nur bei privaten Trägern ohne Tarifbindung nennen Sie einen Betrag: eine Zahl oder eine enge Spanne, bezogen auf das monatliche Bruttogehalt bei Vollzeit und ohne Zuschläge – sonst vergleicht die Gegenseite Ihre Zuschläge mit deren Grundgehalt. Wie man zu der Zahl kommt, steht in Gehalt verhandeln in der Pflege; was zu den Zuschlägen gehört, in Zulagen und Zuschläge in der Pflege.
Form
Eine Seite. Kein zweites Blatt, auch nicht knapp.
Absender, Empfänger, Datum, Betreff, Anrede, Text, Grußformel, Unterschrift. Die Anrede geht an eine Person, wenn die Ausschreibung eine nennt – in der Pflege nennt sie häufig die Pflegedienstleitung selbst. „Sehr geehrte Damen und Herren" ist nicht falsch, aber es ist der Beleg dafür, dass niemand nachgesehen hat.
Der Betreff nennt die Stellenbezeichnung genau so, wie sie ausgeschrieben ist, dazu die Referenznummer und – bei Trägern mit mehreren Häusern – den Standort und den Bereich. Das ist kein Formalismus: In einem Verbund mit acht Einrichtungen entscheidet diese Angabe, auf welchem Schreibtisch Ihre Unterlagen landen.
Als Datei ein PDF, ein Dokument, sprechender Dateiname.
Was Sie weglassen können
Fotos gehören nicht ins Anschreiben. Angaben zu Familienstand, Konfession oder Alter gehören nirgendwohin, solange sie für die Tätigkeit keine Rolle spielen; bei kirchlichen Trägern kann die Konfession im Einzelfall eine Rolle spielen, gefragt wird dann ausdrücklich danach.
Weglassen können Sie außerdem: den Satz, dass Ihnen die Arbeit mit Menschen am Herzen liegt – das schreibt jede Bewerbung. Die Ankündigung, „frischen Wind" in den Bereich zu bringen – das ist eine Behauptung über ein Team, das Sie nicht kennen. Und Superlative über den Ruf des Hauses; den kennt Ihr Gegenüber schon.
Nachweise dagegen gehören dazu, und ihr Fehlen kostet Zeit: die Urkunde über die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung, Zeugnisse, Nachweise über Fachweiterbildungen und Fortbildungen, gegebenenfalls der Nachweis der Masernimmunität nach § 20 Abs. 8 IfSG und – bei Tätigkeiten mit Kindern und Jugendlichen – ein erweitertes Führungszeugnis nach § 30a BZRG. Beide werden ohnehin verlangt; wer weiß, dass sie kommen, hat sie rechtzeitig beantragt.
Wann gar keins nötig ist
Immer mehr Ausschreibungen verzichten ausdrücklich darauf, besonders bei großen Trägern mit Onlineformular und bei Angeboten, die zu einem Rückruf statt zu einer Bewerbung einladen. Wo kein Feld dafür vorgesehen ist, schreiben Sie keines.
Umgekehrt gilt: Wo die Ausschreibung eines verlangt, ist das Fehlen ein leicht vermeidbarer Ausschlussgrund.
Was nach der Bewerbung kommt – das Gespräch und der Hospitationstag –, steht in Gespräch und Hospitationstag.
Und wenn Sie sich auf mehrere Stellen bewerben: Schreiben Sie nicht acht Texte von Grund auf neu, aber lassen Sie Einstieg und Bezug zum Haus jedes Mal neu entstehen. Der Unterschied zwischen einer angepassten und einer unveränderten Bewerbung fällt sofort auf. Welche Stellen in Frage kommen, sehen Sie in der Trefferliste.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.